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Schulterschluss für ein tolerantes Aachen

Aachen. Mehrere hundert Menschen haben sich am Samstag in Aachen zwei rechten Kundgebungen entgegengestellt. In der Innenstadt protestierten rund 200 Demonstranten gegen den Aufmarsch der neuen Partei „Die Rechte“, die sich nach Polizeiangaben mit 80 Personen am Theaterplatz versammelt hatte.

In Eilendorf standen 30 Mitglieder der rechtspopulistischen Partei „Pro NRW“ einer breiten Front von Gegendemonstranten gegenüber. Die Polizei zählte insgesamt rund 400 Teilnehmer bei mehreren Aktionen in Eilendorf. Sehr gut besucht war das „Picknick“ für Toleranz.

Beinahe bis zum Bolzplatz Betzelter Straße/Ecke Severinstraße waren die Parolen der „Pro-NRW“-Leute zu hören. Dort nahmen viele Eilendorfer am Picknick des „Eilendorfer Bündnisses für Integration“ teil. Der Platz an der Betzelter Straße war gut gefüllt mit Menschen. Fast alle waren Eilendorfer, die mit den Parolen von „Pro NRW“ nichts am Hut haben, sich gegen sie stellen und deshalb auf dem Fest rund 300 Unterschriften für ein fremdenfreundliches Eilendorf sammelten. Den Flüchtlingsfamilien, die im Spätherbst in die Häuser Hansmann­straße 30 und 32 einziehen sollen, wünschten sie ein „herzliches Willkommen“.

Bratwürste brutzelten auf dem Grill, Kaffee und Kuchen wurde ausgeschenkt, an Festzelttischen konnten die „Picknicker“ es sich trotz durchdringender Kälte bequem machen oder sich am Lagerfeuer der Eilendorfer Pfadfinder aufwärmen. Auf dem Bolzplatz spielten Kinder Fußball und formten aus den Schneeresten Bälle, mit denen sie sich bewarfen.

Auch Schirmherr Marcel Phi­lipp war gekommen. Der Oberbürgermeister versicherte den Eilendorfern in ihrem Kampf für einen toleranten Stadtbezirk seine Solidarität und erzählte, dass er im Oktober des vergangenen Jahres sehr erschrocken gewesen sei, als sich einige Bürger in der Bezirksvertretung und der anschließenden Ratssitzung vehement gegen den Zuzug von Flüchtlingen aus­­ge­sprochen hatten. Dieser Protest und die angekündigte Kundgebung von „Pro NRW“ gegen angeblichen Asylmissbrauch hatte letztendlich die Gründung des Eilendorfer Bündnisses zur Folge, das jetzt das Picknick am Samstag anbot.

„Menschen muss man willkommen heißen“, ist das Credo des Oberbürgermeisters. Beim Fest für ein tolerantes Eilendorf ließen es sich auch die örtlichen Pfarrer beider Kirchen und der Vorsitzende der islamischen Ditib-Gemeinde, Yunus-Emre-Moschee, Abdurrahman Kol nicht nehmen, ihre Solidarität zu bekunden. Kaum Zuhörer für „Pro NRW“

Mit einer Kundgebungsreihe unter dem Titel „Volksinitiative gegen Asylmissbrauch“ reist „Pro NRW“ derzeit durchs Land. In Eilendorf versammelten sich 30 Parteimitglieder in der Hansmannstraße vor dem Haus, das die Stadt Aachen demnächst für die Unterbringung von Asylbewerbern herrichten wird.

Ungleich größer war die Zahl der Gegendemonstranten, die sich 30 Meter weiter hinter der Absperrung versammelt hatten. Mehrere Initiativen hatten zum Protest aufgerufen. Ein breites Bündnis machte mobil gegen die Parolen von „Pro NRW“. „Viele Eilendorfer waren darunter“, sagte Polizeisprecher Paul Kemen.

Bei ihrer gut einstündigen Kundgebung wandten sich die Redner von „Pro NRW“, darunter Generalsekretär Markus Wiener und der Aachener Kreisvorsitzende und stellvertretende NRW-Vorsitzende Wolfgang Palm, gegen gegen „Multikulti-Schönredner“ und gegen die Aufnahme von Menschen, die sie „Scheinasylanten“ und „Asylbetrüger“ nennen. Bei der Kommunalwahl 2014 will „Pro NRW“ landesweit 300 Mandate holen und auch in Aachen „in Fraktionsstärke“ ins Rathaus einzuziehen.

In der Hansmannstraße allerdings fanden die Parolen am Samstag so gut wie keine Zuhörer. Und hinter der Polizeiabsperrung protestierte eine sehr viel größere Zahl von Gegendemonstranten mit Musik, Trillerpfeifen und lautstarken Sprechchören. Zu Zwischenfällen kam es hier nicht.

Das sah rund drei Stunden vorher in der Innenstadt etwas anders aus. Dort am Theater waren rund 80 Rechtsradikale zu einer Kundgebung aufmarschiert, zu der der Kreisverband der Partei „Die Rechte“ aufgerufen hatte. Hier musste die Polizei drei Personen aus den Reihen der rund 200 Gegendemonstranten in Gewahrsam nehmen, die sich eine Rangelei mit den eingesetzten Beamten geliefert hatten. Viel Polizei am Theater

Um Rechte und Gegendemons­tranten zu trennen, hatte die Polizei ab 11 Uhr mit einem Großaufgebot den Bereich rund ums Theater weiträumig abgesperrt. Verkehr und Passanten wurden nicht durchgelassen, wodurch es zu Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt kam. Die Beamten durchsuchten die Kundgebungsteilnehmer und deren Busse gründlich, bevor sie zum Theaterplatz durchgelassen wurden, wo sie mit Sprechchören und einem Pfeifkonzert von den Gegendemonstranten empfangen wurden.

Um kurz vor 14 Uhr war der Spuk dann vorbei, die Rechtsradikalen reisten weiter nach Mönchengladbach, und die Gegendemonstranten machten sich auf den Weg nach Eilendorf.