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Do, 29. Mär. 2012
Aachener Zeitung - Stadt / Lokales / Seite 22

Paten für Flüchtlinge werden dringend gesucht

Das bürgerschaftliche Netzwerk „Save me“ fahndet nach Freiwilligen, die sich auf Menschen aus dem Ausland einlassen und ihnen den Start in der neuen Heimat erleichtern möchten. 300 Flüchtlinge aus Irak und Nordafrika erwartet.

Von Birgit Broecheler

Aachen. „Wir möchten, dass Flüchtlinge in Aachen sich willkommen fühlen“, sagt Gerd Mertens, Referent im Büro der Regionaldekane. „Deshalb suchen wir Paten, die sich auf Menschen aus dem Ausland einlassen und ihnen den Start in der neuen Heimat erleichtern möchten.“

Solche Paten gibt es bereits für die erfolgreiche Save-me-Kampagne des Aachener bürgerschaftlichen Netzwerkes, das vor drei Jahren entstand. Damals kamen 30 Flüchtlinge im Rahmen des Resettlement-Projekts, das vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) für besonders schützbedürftige Flüchtlinge wie allein erziehende Frauen oder alte Menschen aufgesetzt wurde. „Im Spätsommer erwarten wir in Deutschland wieder 300 Flüchtlinge aus dem Irak und Nordafrika. 30 davon werden nach Aachen kommen“, erklärt Ingeborg Heck-Böckler von Amnesty International, die zusammen mit dem Katholikenrat der Stadt Aachen die treibende Kraft hinter dem Netzwerk ist. Einem überaus aktiven Netzwerk unter den 60 Gruppen in Deutschland, wie sich auf dem letzten Save-me-Treffen am 9. März in Frankfurt herausstellte. „Bei uns laufen die Begleitung der Flüchtlinge, Öffentlichkeitsarbeit und die politische Arbeit sehr aktiv“, sagt Heck-Böckler.

Integrationslotsen

Pate kann jeder werden, egal welcher Nation. „Wir versuchen die richtigen Menschen zusammenzubringen“, sagt Heck-Böckler. Neben dem politischen Bekenntnis zu einer besseren Flüchtlingspolitik, das man auf der Internetseite der Kampagne abgeben kann, werden sogenannte Integrationslotsen gesucht, die den neuen Bürgern die Stadt zeigen, mit ihnen einkaufen gehen oder Behördengänge erledigen. Die 24-jährige Libanesin Maha Hamoud ist heute Patin und kann ein Lied von den Anfangsschwierigkeiten ihrer Familie in Deutschland singen: „Wir haben 17 Jahre gebraucht, ehe für mich und meine Familie ein gesicherter rechtlicher Status existierte. Meine Erfahrungen will ich jetzt gerne weitergeben“, sagt die Studentin. Ihr „Schützling“ ist Besme Abed, die mit ihren drei Kindern vor mehr als zwei Jahren aus dem Irak flüchtete. Sprach- und Einbürgerungstest hat sie in Rekordzeit geschafft und ist sehr zufrieden in Deutschland. „Meine Kinder sind me dizinisch gut versorgt und gehen zur Schule. Im Irak war unser Leben dagegen nicht gesichert. Einer meiner Brüder wurde dort getötet“, sagt sie.

EU-Fördertopf für Flüchtlinge: Bundesregierung hat Antrag „verschlafen“

Bis November war das Resettlement-Programm des UNHCR hierzulande nicht fest etabliert. Überraschend beschloss damals jedoch die Innenministerkonferenz, dass Deutschland in den nächsten drei Jahren je 300 Flüchtlinge aufnehmen werde. Die Etablierung des Programms mag ein Erfolg sein, doch „Deutschland könnte viel mehr leisten“, findet Holger Brantin, Sprecher des Katholikenrates Aachen-Stadt. „Vor allem wenn man sieht, wie viele Mittel für die Finanzkrise zur Verfügung gestellt wurden.“

„Flüchtlinge sind für Politiker lästig, kosten Geld und bringen keine Wählerstimmen“, weiß auch Gerd Mertens. „Wir möchten es anders machen. Und das bedeutet viel ehrenamtliche Arbeit.“ Auch Bobby van den Berg vom Katholikenrat Aachen-Land kann das deutsche Fremdeln und die rechten Tendenzen nicht verstehen: „Als Ausländer fühlt man hier immer, dass man etwas tun muss, um akzeptiert zu werden. Diese Kampagne hat auch etwas mit Christ sein zu tun.“ Die Aufnahme der Flüchtlinge kostet Geld, doch stellt die EU einen Fördertopf bereit. Diese Gelder zu beantragen, hat die Bundesregierung in diesem Jahr allerdings verschlafen. Weitere Infos unter www.save-me-aachen.de.