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Begegnung auf Augenhöhe: Kochen, essen undeinander kennenlernen

Regelmäßig am ersten Montag im Monat trifft sich die Gruppe der Aachener Save-me-Kampagne in der Küche der ESG Aachen zum gemeinsamen Kochen mit Flüchtlingen und Öchern. Interessierte sind herzlich willkommen.

Die Aachenerin Maria Kaeding ist seit knapp einem halben Jahr dabei. „Seitdem versuche ich, kein Treffen zu verpassen. Ich bin zum Kochen aus purer Neugierde gegangen, kurz vorher war ich sogar ziemlich aufgeregt. Aber sobald man die Tür aufmacht, kommen direkt Menschen auf einen zu und binden jeden direkt mit ein“, erzählt Kaeding. Tomaten aushöhlen kann sie mittlerweile perfekt und seit sie Baklava kennt, eine Süßspeise aus Blätterteig, hat sie ein neues Lieblingsgericht. „Ich habe noch nie so viel über verschiedene Kulturen gelernt.

Die Gruppe ist im wahrsten Sinne ziemlich bunt. Viele kommen aus dem Iran, Libanon und Syrien. Es gibt zwar einen festen Kern, aber das schöne ist, dass bei jedem Kochen auch neue Gesichter dabei sind“, erzählt die junge Frau. Beim Schnippeln und Braten werde ziemlich viel gelacht und geredet über Gott und die Welt – vom Essen über ganz normale Alltagsprobleme bis hin zu den verschiedenen Religionen.

Beim nächsten Kochen am 6. Juli ist Ramadan, das bedeutet es wird zwar schon ab 20 Uhr gekocht – gegessen wird aber erst um 22 Uhr. „Ich hab jetzt schon viele Fragen zum Ramadan und weiß, dass ich die auch ganz einfach stellen kann. Hin und wieder reden wir auch über traurige Sachen. viele vermissen Ihre Familie. Die meisten Flüchtlinge haben nämlich noch Angehörige in Krisengebieten“, erzählt Kaeding. Kaum vorstellbar sei es, was viele in ihrem Leben schon durchmachen mussten. In solchen Gesprächen fehlen ihr oft die Worte und sie hört einfach nur zu. In jeder Geste und Bewegung merke man, wie viele unter der Situation leiden, nichts für ihre Familie im Heimatland tun zu können. „Einmal sagte eine Frau zu mir „Maria, wir sitzen hier und schneiden Tomaten, während meine Schwester und ihre Kinder um ihr Leben fürchten müssen.“

Mit dabei sind auch jüngere Flüchtlinge, die erzählen was sie im Flüchtlingslager erlebt haben. „Da merke ich einfach, was ich für ein Glück habe in Aachen geboren zu sein.

Faeza kommt aus dem Irak. Die 47-jährige gelernte Krankenschwester lebt seit drei Jahren in Aachen, mittlerweile ist auch der 21-jährige Sohn hier. Der 51-jährige Abdul-Karim und kommt aus Syrien. Der Vater von fünf Kindern lebt seit anderthalb Jahren in Aachen, konnte mittlerweile vier seiner Kinder zu sich holen. Das fünfte Kind dagegen ist in der Heimat erschossen worden.

„Hier in Aachen habe ich viele positive Erlebnisse. Es wurde mir hier leichter gemacht, meine Familie zu mir zu holen, als in der Stadt, wo ich vorher war“, sagt der 51-Jährige. Seine Frau ist noch in der Türkei, was den gelernten Schreinermeister sehr traurig macht.

Faeza und Abdul-Karim machen so oft es geht beim Kochabend der Save-me-Kampagne mit. Faeza bereitet dann gerne Baklava aus ihrer Heimat zu, Abdul-Karim Reis mit Hühnchen. Laut Organisatorin Ingeborg Heck-Böckler von der Save-me-Kampagne ist das Kochen eine Art „Selbsthilfegruppe“, die den Teilnehmern gut tut und allen riesigen Spaß macht. Viele Aachener lernen so auf unkomplizierte Weise ihre neuen Mitbürger kennen.

Heck-Böckler beschreibt die internationale Kochgruppe als eine Begegnungen auf Augenhöhe. Wer für das Kochen verantwortlich ist, hat an diesem Abend das Sagen. Die anderen Teilnehmer bekommen Einblicke in eine andere Kultur und in andere Essgewohnheiten.

„Besonders berührt hat mich, wie einmal ein junger Mann aus Bukina Faso für das nächste Kochen verantwortlich sein wollte. Er hatte noch nie gekocht, aber er wollte so kochen, dass seine Mutter stolz auf ihn wäre. Am Telefon holte er sich viele Tipps von ihr ein. Wir hatten viel zu tun, als er uns anleitete, und lernten uns unbekannte Zutaten wie zum Beispiel Ess-Bananen kennen“, erzählt Heck-Böckler.

Frauen aus Indonesien wollen beim Kochen am 3. August die Teilnehmer in die Geheimnisse der Küche ihrer Heimat einführen und alle an ihrer Kultur teilhaben lassen. „Die Menschen, die uns so Einblicke in ihre Gewohnheiten und Kultur geben, sind mehr als Flüchtlinge“, betont Heck-Böckler.

Die Gruppe der Aachener save-me-Kampagne trifft sich am Montag, 6. Juli, um 20 Uhr in der ESG Aachen an der Nizzaallee 20. Für die Unkosten wird um eine Spende gebeten.

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