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Das Signal: „Diese Menschen sind bei uns willkommen“

Aachen. Das Signal ist deutlich: „Diese Menschen sind bei uns willkommen“, sagt Heinrich Emonts, Leiter des Fachbereichs Soziales und Integration. Die Stadt gibt ein klares Bekenntnis ab für Solidarität und gegen jede Form von Intoleranz.

Dass die Zahl der Flüchtlinge erheblich mehr angestiegen ist, als noch vor wenigen Monaten prognostiziert, sei Ansporn zum sozialen Handeln – und kein Grund zur bloßen Klage. Sozialdezernent Dr. Manfred Sicking betonte am Dienstag: „In einem der reichsten Länder der Welt muss man Mitgefühl einfordern können.“ Natürlich ist es eine Herkulesaufgabe, den Flüchtlingen eine menschenwürdige Unterkunft zu gewährleisten. Und natürlich muss die Stadt auch an Land und Bund appellieren, die Kommunen dabei nicht im Regen stehen zu lassen.

Container und Zelte wie in anderen Städten will man in Aachen vermeiden, aber dass für einige Flüchtlinge jetzt sehr wahrscheinlich eine Turnhalle erste Adresse vor einem Umzug in eine Wohnung ist, wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Anfang der 90er gab es das schon einmal, aber in wesentlich größerem Ausmaß. Die Turnhalle Barbarastraße wird jetzt für rund 40 Flüchtlinge hergerichtet. Emonts: „Wir wissen nicht, wie viele Menschen in den nächsten Tagen kommen.“ Die aktuellen Kapazitäten seien aber nahezu erschöpft, die Turnhalle müsse als Unterkunft notfalls bereit stehen.

Aktuell zählt die Stadt 765 Flüchtlinge. Sie sind überwiegend in städtischen Wohnungen und in Wohnungen der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (Gewoge) sowie in Hotels untergebracht. 40 Flüchtlinge würden pro Quartal nach Aachen kommen. Die Vorhersage hat sich schnell als unrealistisch erwiesen. Ende April lebten 562 Flüchtlinge in der Stadt, Ende August bereits 650. Und bis zum Frühjahr konnte die Zahl auf rund 1500 ansteigen, so Emonts.

Der Fachbereich Soziales und Integration hat dem Rat bereits ein Konzept vorgelegt, wie man dauerhaft 1000 Plätze für Flüchtlinge vorhält. „Das ist natürlich nicht innerhalb weniger Wochen komplett umzusetzen“, so Emonts.

Also muss angesichts der ansteigenden Zahlen ein „Notfallplan“ her. 35 Wohnungen der Gewoge stehen kurzfristig zur Verfügung, 100 Personen wird man da unterbringen können. Aber es bleibt eng. Nach langen Überlegungen fiel die Entscheidung, die Turnhalle Barbarastraße zum Übergangsheim zu machen. „Wir haben uns das nicht leicht gemacht“, betonte Petra Prömpler, Leiterin des Fachbereichs Sport. Schließlich ging es auch darum, die jetzigen Nutzer der Halle anderweitig unterzubringen. Was laut Prömpeler aber vor allem auch wegen der großen Kooperationsbereitschaft und dem Verständnis der Betroffenen letztlich gut klappte.

Wird die Turnhalle mit Flüchtlingen belegt, so werden diese dort rund um die Uhr betreut. Und zwar nicht von einem privaten Wachdienst, wie Sicking hervorhob, sondern von „geschulten Hausmeistern und Sozialarbeitern“, die die Stadt auf diese Aufgabe vorbereite und immer wieder schule. Ist die Barbarastraße eine Ausnahme? Emonts will sich nicht festlegen, aber die Stadt tendiere dazu, bei weiterem Bedarf eher leer stehende Schulgebäude herzurichten. Die seien von der Infrastruktur her besser geeignet. Aber: Alleine, so Sicking, könne man das wachsende Wohnraumproblem ohnehin nicht lösen. So sei man zum Beispiel auch mit dem Bistum im Gespräch, ob von dort Hilfe möglich ist.