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Menschenrechte: Ingeborg Heck-Böckler unternahm Reise nach Sizilien

Mit der Unterstützung von Benno Fürmann

Die Bootstragödie von Lampedusa mit mehr als 380 toten Flüchtlingen ist nun ein Jahr her. Die Frage aber, wie man mit Flüchtlingen menschenwürdig umgeht und wie man letztlich weitere Todesopfer vermeidet, ist auf EUEbene noch immer nicht gelöst. Ein Zustand, der von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) angeprangert wird.

Eupen/Palermo
VON ALEXANDER SCHMIDT

Ende September reisten Vertreter der deutschen, französischen und italienischen Amnesty-Sektionen zu einer Informationsreise nach Sizilien. Unter ihnen auch Ingeborg Heck-Böckler aus Eupen, die sich seit über 35 Jahren für die Menschenrechte einsetzt und die beiden Amnesty-Gruppen in Aachen und Eupen leitet.

Seit vielen Jahren setzt sie sich für den Schutz von Flüchtlingen ein. Diese Reise bot ihr Gelegenheit, mit Flüchtlingen zu sprechen. Denn für das kommende Frühjahr plant sie eine Ausstellung mit dem Titel „Europa, was machst du an deinen Grenzen?!“ Dazu hat sie auf Sizilien Interviews mit Flüchtlingen und Überlebenden geführt; außerdem zeigt sie Eindrücke vom Schiffsfriedhof Lampedusa. Wichtig ist ihr aber vor allem, die unterschiedlichen Schicksale der Menschen darzustellen und nicht den namenlosen, „abstrakten Flüchtling“. Erfahrungen mit Flüchtlingen hat sie seit über zwölf Jahren im Rahmen ihrer Arbeit in der Aachener Beratungsstelle. „Keiner der Asylbewerber ist übrigens ohne die Hilfe von Schleppern nach Europa gekommen“, setzt Ingeborg Heck-Böckler einen Spitze gegen die in ihren Augen vorschnelle Kriminalisierung von Schleppern.

„Was ich auf Sizilien an Stimmung wahrgenommen habe, ist, dass man nicht die Nase voll hat von den Flüchtlingen, sondern dass man keine Toten mehr haben will. Die Marine arbeitet unter dem Projektnamen ’Mare Nostrum‘ nach Kräften, versucht, so viele Menschenleben wie möglich zu retten. Doch das ist teuer, und eine finanzielle Unterstützung von der EU ist bislang schwierig, da die einzelnen Mitgliedsstaaten unterschiedliche Interessen vertreten. Letztlich ist dort auf Sizilien eine große Hilfsbereitschaft entstanden, ein Netzwerk mit über 100 Ehrenamtler, die sich um die Flüchtlinge kümmern“, schildert Ingeborg Heck-Böckler ihre Eindrücke.

Als prominenter Amnesty-Unterstützer war auch der deutsche Schauspieler Benno Fürmann mitgereist, der auch eine Verbindung nach Eupen hat. „Er stellte kluge Fragen, packte mit an, war sehr gut informiert und wusste, warum er da war. Er erzählte mir, dass Eupen ihm noch gut in Erinnerung sei, denn er zeigte mir ein Foto, das ihn während der Dreharbeiten zu Til Schweigers Film ’Der Eisbär‘ (1998) an der Gileppe-Talsperre zeigt.“ Benno Fürmann ist seit etwa acht Jahren Amnesty-Unterstützer.

Insgesamt seien die Anmesty- Delegationen mit viel Herzlichkeit und Offenheit empfangen worden. Vertreter der Marine schilderten, wie viele Flüchtlinge sie vor dem Ertrinken retten konnten. Allerdings müssen sie auch immer wieder Tote aus dem Meer bergen, meist Frauen und Kinder – eine sehr bedrückende Arbeit. „Das Flüchtlingsproblem ist nicht nur eine italienische Herausforderung, sondern eine Angelegenheit, zu der vor allem die EU eine Lösung finden muss. Doch sie praktiziert derzeit eher eine Politik der Abschottung. Es wurde zwar die Grenzschutzorganisation ‚Frontex‘ geschaffen, doch die allein löst nicht das Problem, dass es keine sicheren Fluchtwege nach Europa gibt“, macht die amnesty-Aktivistin deutlich. Zudem gebe es immer noch sogenannte „Push-back- Aktionen“, bei denen Flüchtlingsboote bewusst von der rettenden Küste abgedrängt werden, was ein Verstoß gegen das Völkerrecht sei, so Heck- Böckler.

Ihre geplante Ausstellung soll zunächst in der Citykirche Aachen und ab Juni in der VHS in Aachen gezeigt werden. Auch die Italiener wollen diese „Roll-Up-Ausstellung“ haben. In Eupen würde sie sie auch gerne zeigen, doch es fehlt noch an geeigneten Räumlichkeiten. Die Amnesty-Sektion Eupen verfügt über einige Aktive sowie Unterstützer, macht Öffentlichkeitsarbeit wie zum Beispiel die Mahnwache vor dem Tag der Menschenrechte. Sie beteiligt sich auch an den internationalen Amnesty- Kampagnen wie zuletzt der „Papierbootaktion“ in Gedenken an die „Opfer der europäischen Abschottungspolitik“. In Eupen und Aachen wurden 700 solcher Boote gefaltet, bundesweit waren es 20.000, die zu einer großen Aktion in Berlin genutzt wurden.