Amnesty International Bezirk Aachen

Impressum | Login

Bezirk Aachen

StartseitePresseinformation

Vertreter einer kolumbianischen Friedensgemeinde in Aachen

Vor sechs Jahren ist die kolumbianische Friedensgemeinde „San José de Apartadó“ mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden. Zwei Vertreter der Friedensgemeinde, Arley Antonio und Jesús Emilio Tuberquia waren jetzt auf Einladung von Amnesty International in Aachen beim Evangelischen Erwachsenenbildungswerk in der Frère-Roger-Straße zu Gast, um über die derzeitige Situation zu berichten. Auf ihrer jetzigen Reise durch verschiedene europäische Städte ist ihnen in Narni, Umbrien, die Ehrenbürgerschaft verliehen worden.

Friedensgemeinde Opfer von Gewalt
Die Gemeinde lebt in einem Land, in dem seit mehr als fünfzig Jahre ein blutiger Konflikt zwischen Regierungsseite und Guerillagruppen herrscht; sie versucht verzweifelt, sich aus diesen Auseinandersetzungen herauszuhalten, strikt neutral zu bleiben und sich nicht von ihrem angestammten Land vertreiben zu lassen, wie es bis zu fünf Millionen Binnenvertriebenen in Kolumbien ergangen ist. In den fünfzehn Jahren ihres Bestehens hat sie dennoch fast 240 Tote durch die Gewalt des Bürgerkrieges zu beklagen, zum größten Teil ermordet durch paramilitärische Kräfte, die insgeheim mit der Armee zusammenarbeiten. Die strafrechtliche Verfolgung dieser Gewalttaten verläuft fast immer im Sande.

Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Guerilla
Zu Beginn dieses Jahres haben nun die neue Regierung Kolumbiens und die größte Guerillagruppe FARC Friedensverhandlungen aufgenommen, die in Havana, Kuba, stattfinden. Die Regierung hat zudem ein Landrückgabegesetz verabschiedet; das Land, das Großgrundbesitzer sich mit Gewalt angeeignet hatten, soll wieder an die einheimische Bevölkerung zurückgegeben werden.
Etwa 60 Interessierte waren gekommen, um den beiden Kolumbianern zuzuhören. Nach einer Einführung in die Geschichte des Konfliktes und den gegenwärtigen Stand der Friedensverhandlungen durch Wolfgang Cornely von der Aachener Amnesty-Gruppe stellten die beiden Kolumbianer dar, wie sehr sie dem Druck der kämpfenden Parteien ausgeliefert sind. Selbst von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission und dem kolumbianischen Verfassungsgericht ergangene Beschlüsse zu ihren Gunsten werden nicht umgesetzt.

Friedensgemeinde skeptisch
Dem Ergebnis der Friedensverhandlungen, sollte man denn zu einem Konsens kommen, sehen sie mit Skepsis entgegen. „Die Verhandlungen lösen die Probleme nicht. Es ist nur ein Schritt von vielen, die zu tun sind“ , bekräftigt Arley Tuberquia. Die größte Gefahr für die Gemeinde geht von den Paramilitärs aus, und die sitzen nicht mit am Verhandlungstisch; sie haben aber einen starken Rückhalt im regulären Militär und in weiten Teilen des Großbürgertums. Einen wesentlichen Schutz für ihre Gemeinschaft sehen die Gäste darin, dass ihre Probleme der Weltöffentlichkeit bewusst gemacht werden. Dazu gehört die Vermarktung ihrer landwirtschaftlichen Produkte wie Bananen und Kaffee über die Netzwerke des fairen Handels. Auch die Präsenz internationaler Beobachter an Ort und Stelle trägt zu ihrer Sicherheit bei.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Mark Jensen-Samama mit Gitarrenmusik aus Kolumbien. Mitveranstalter neben Amnesty International und dem Aachener Friedenspreis waren Misereor und der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen, deren Partnerland Kolumbien ist.