Amnesty International Bezirk Aachen

Impressum | Login

Bezirk Aachen

StartseiteSupermittwoch26102012

Über den Tellerrand geschaut
Save-Me informierte sich über Flüchtlingsarbeit in Großbritannien

Was eine Heimat ist, weiß der junge Mann nicht, der in einer Sitzung des „British Refugee Council“ der nordenglischen Stadt Hull von seinem Leben berichtet. Seit er denken kann, befindet sich der 20-jährige Afrikaner auf der Flucht. Ein Zusammentreffen, das bei der dreiköpfigen Delegation aus Aachen Eindruck hinterlassen hat.

Drei Tage lang nahmen Ingeborg Heck-Böckler von Amnesty International Aachen, Bürgermeisterin Hilde Scheidt und Jürgen Jansen vom Eine-Welt-Forum Aachen als Vertreter der Aachener Save-Me-Kampagne am Austausch-Programm „cities that care, cities that share“ teil. Das anderthalbjährige Programm, das unter anderem von der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR und der Europäischen Union, finanziert wird, will vor allem den gegenseitigen Austausch der beteiligten Städte untereinander fördern. „Der Erfahrungsaustausch steht im Mittelpunkt,“ berichtet Ingeborg Heck-Böckler. In den nordenglischen Städten Sheffield und Hull konnten sich die drei ein Bild zur Arbeit im sogenannten Resettlement-Programm zu machen. Dieses Programm wurde von der UNHCR im Auftrag der Vereinten Nationen für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge entwickelt. Besonders schutzbedürftige Flüchtlinge, das sind vor allem Menschen, die aus Krisen- und Kriegsgebieten fliehen, wie Afghanistan oder dem Irak. Rund 10,5 Millionen dieser Flüchtlinge stehen unter dem Schutz der UNHCR, etwa ein Prozent von ihnen fällt unter die Resettlement-Bestimmungen. Dieses Programm sieht vor, dass die Flüchtlinge von einem sicheren Drittland aufgenommen werden und dort langfristig Perspektiven für ihre Zukunft entwickeln können. Seit Gründung der Kampagne vor vier Jahren setzt sich Save-Me auch in Aachen aktiv dafür ein, Menschen aus dem Resettlement-Programm aufzunehmen. Bereits 2009 beschloss der Rat der Stadt einstimmig die Aufnahme von 30 irakischen Flüchtlingen. 2011 beschloss die Bundesrepublik Deutschland, innerhalb eines Drei-Jahres-Programms pro Jahr jeweils 300 Flüchtlinge aus dem Resettlement-Programm aufzunehmen. In diesem Zusammenhang nahm Aachen bis Ende Oktober noch einmal 10 weitere Flüchtlinge auf, darunter eine sechsköpfige irakische Familie aus einem türkischen Flüchtlingslager. Politisch hat Aachen eine lange Tradition mit Menschen, die als Flüchtlinge hierher kommen. „Das ist ein Markenzeichen dieser Stadt, das darf nicht verlorengehen“, betont Hilde Scheidt, auch vor dem Hintergrund einer langen Diskussion um die Herrichtung zweier Häuser für Flüchtlinge an der Hansmannstraße in Eilendorf. „Das offene, tolerante Klima gegenüber Flüchtlingen darf sich nicht verändern,“ so Scheidt weiter. Beeindruckend war für die Delegierten auch die Beobachtung, dass in Großbritannien die Unterschiede zwischen Resettlement-Flüchtlingen und Asylbewerbern nicht so krass auszufallen scheinen, wie in Deutschland. Hier gelte es, das Niveau der beiden Gruppen einander etwas mehr anzugleichen. Kritisch gesehen wurde jedoch auch dort die rigide Vorgehensweise gegen Flüchtlinge ohne Papiere. Politisch gebe es hier noch eine Menge Arbeit, so Ingeborg Heck-Böckler, aber auch hierzu sei der Austausch mit anderen Städten, die über Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit verfügen, so wichtig. Neben der politischen Arbeit setzt sich Save-Me auch für ein besseres Miteinander der Kulturen ein. Inzwischen begleiten 540 ehrenamtliche Save-Me-Paten die neuen Mitbürger bei ihrem Prozess, sich in Aachen einzuleben, bei gemeinsamen Kochtreffen beispielsweise, bei Stadtführungen oder anderen gemeinsamen Unternehmungen. „Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe, bei der beide Seiten viel voneinander lernen“, beschreibt Ingeborg Heck-Böckler diese Treffen. Aachener, die sich ebenfalls Pate werden möchten, sind immer willkommen und erhalten unter www.save-me-aachen.de weitere Informationen. (kalb)

Haben in Großbritannien viele Eindrücke gewonnen: Ingeborg Heck-Böckler, Jürgen Jansen und Hilde Scheidt (v.l.).